{"id":188,"date":"2021-01-05T15:56:41","date_gmt":"2021-01-05T15:56:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.praxis-schoenian.de\/?page_id=188"},"modified":"2024-10-31T11:03:12","modified_gmt":"2024-10-31T11:03:12","slug":"zentralklinik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.praxis-schoenian.de\/?page_id=188","title":{"rendered":"Zentralklinik"},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Seit 2013 betreibt der Landkreis Aurich das Vorhaben, zusammen mit der Stadt Emden eine Zentralklinik in Georgsheil zu errichten und daf\u00fcr die Krankenh\u00e4user in Norden, Aurich und Emden zu schlie\u00dfen. In den Medien standen anfangs insbesondere der damalige Auricher Landrat Harm-Uwe Weber und der damalige Emder Oberb\u00fcrgermeister Bernd Bornemann f\u00fcr diese Pl\u00e4ne. Im Verlauf wurde und wird das Projekt im Landkreis Aurich insbesondere durch die gro\u00dfe Koalition aus SPD und CDU im Kreistag vorangetrieben.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Vordergrund stand von Anfang an, dass die hohen von den Kommunen getragenen Verluste durch den Betrieb der derzeit bestehenden Krankenh\u00e4user reduziert werden sollten.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Von Anfang an wurden dabei aus meiner Sicht insbesondere 2 Fehler gemacht:<\/p>\n<ul>\n<li style=\"text-align: justify;\">Es wurden nicht ernsthaft Argumente abgewogen. Es gab keine ernsthafte Diskussion \u00fcber Vor- und Nachteile des Vorhabens. Stattdessen gab es Werbeveranstaltungen und es wurde und wird versucht, auch konstruktive Kritiker mundtot zu machen. Einen Erhalt der bestehenden Krankenh\u00e4user in Erw\u00e4gung zu ziehen, wird seit 2013 von den Verantwortlichen kategorisch abgelehnt.<\/li>\n<li style=\"text-align: justify;\">Es wurde unzureichend daran gedacht, wie die Gesundheitsversorgung in Zukunft im Landkreis Aurich und der Stadt Emden aussehen soll. So werden durch den Betrieb einer Zentralklinik auf der gr\u00fcnen Wiese und die Schlie\u00dfung der 3 Krankenh\u00e4user in den St\u00e4dten hochwahrscheinlich Kollateralsch\u00e4den in der Gesundheitsversorgung entstehen, die erheblich sind und f\u00fcr deren Handhabung es offensichtlich keine Konzepte gibt.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Folgenden liste ich eine Sammlung und kurze Erl\u00e4uterung der mir bekannten Argumente auf, dabei fange ich mit Argumenten an, die noch nicht so sehr in der Diskussion standen:<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><u>Notfallversorgung (insbesondere auch die ambulante Notfallversorgung)<\/u><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Die ambulante Versorgung von Patienten au\u00dferhalb der Praxis\u00f6ffnungszeiten, also insbesondere nachts und am Wochenende, sowie bei Notf\u00e4llen an 24 Stunden 7 Tage die Woche steht derzeit auf 3 S\u00e4ulen, die in allen 3 St\u00e4dten bestehen:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>die Ambulanzen der Krankenh\u00e4user, z.B. die Chirurgischen Ambulanzen, die auch die ambulante Versorgung von Wunden und das ambulante Diagnostizieren bzw. Ausschlie\u00dfen von Knochenbr\u00fcchen und die entsprechende Versorgung der Frakturen \u00fcbernehmen.<\/li>\n<li>den Haus\u00e4rztlichen Vertretungsdienst, der derzeit als\n<ul>\n<li style=\"text-align: left;\">Sitzdienst in den Bereitschaftsdienst-Praxen in den Krankenh\u00e4usern der 3 St\u00e4dte stattfindet und als<\/li>\n<li style=\"text-align: left;\">Fahrdienst, der Hausbesuche macht bei Patienten die aus gesundheitlichen Gr\u00fcnden (z.B. Bettl\u00e4gerigkeit) nicht selbst in die Praxis im Krankenhaus kommen k\u00f6nnen.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>den Rettungsdienst mit Krankenwagen bzw. Rettungswagen (in jeder der St\u00e4dte und an weiteren Standorten) und Notarzt (in jeder der St\u00e4dte einer).<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Sobald in Georgsheil eine Zentralklinik steht und die Krankenh\u00e4user in Norden, Aurich und Emden nicht mehr existieren, werden voraussichtlich:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>von den <strong>Krankenh\u00e4usern in Norden, Emden und Aurich keine Reste betrieben werden<\/strong>.\n<ul>\n<li>-die Medizinischen Versorgungszentren, die der Landkreis betreibt, schaffen es w\u00e4hrend der normalen Praxis\u00f6ffnungszeiten nur mit Abstrichen, die Bev\u00f6lkerung ad\u00e4quat zu versorgen (zumindest in Norden). Es ist nicht absehbar, dass aus diesen MVZ des Landkreises Nacht- und Wochenenddienste besetzt werden k\u00f6nnten.<\/li>\n<li>die Zentralklinik in Georgsheil wird in Zeiten des \u00c4rztemangels sowieso schon Schwierigkeiten haben, alle Stellen zu besetzen. Falls diese Zentralklinik durchgehend besetzte Portalkliniken in Aurich, Norden und Emden betreiben m\u00fcsste, w\u00fcrden die Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr \u00c4rzte wegen der extrem hohen Dienstbelastung kaum besetzt werden k\u00f6nnen. Die \u00c4rzte w\u00fcrden sich in vielen F\u00e4llen f\u00fcr andere Krankenh\u00e4user entscheiden.<\/li>\n<\/ul>\n<\/li>\n<li>die Bereitschaftsdienstpraxen unter Tr\u00e4gerschaft der Kassen\u00e4rztlichen Vereinigung sind derzeit in Emden, Aurich und Norden im Krankenhaus angesiedelt. Das ist sinnvoll, weil die Praxis im Bedarfsfall Ressourcen des Krankenhauses (z.B. R\u00f6ntgen, Labor) nutzen kann und bei Bedarf eine Einweisung ins Krankenhaus einfach zu bewerkstelligen ist. Derzeit ist vom Gesundheitsministerium geplant, die Bereitschaftsdienstpraxen bundesweit in Integrierte Notfallzentren aufgehen zu lassen, die an Krankenh\u00e4usern angesiedelt sind. Die Folge w\u00e4re, dass sich die Bereitschaftsdienstpraxis im Krankenhaus in Georgsheil befindet. <strong>In den St\u00e4dten Aurich, Emden und Norden wird es dann keine haus\u00e4rztliche Bereitschaftsdienstpraxis mehr geben<\/strong>.\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Der Fahrdienst wird voraussichtlich weiterhin bei nicht transportf\u00e4higen Patienten (also z.B. Heimbewohnern) Hausbesuche machen.<\/li>\n<\/ul>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>der Rettungsdienst wird voraussichtlich \u00e4hnlich weiterarbeiten wie bisher. Jedoch wird es schwieriger werden, die Notarztdienste zu besetzen: derzeit wird der Notarzt in der Woche tags\u00fcber regelm\u00e4\u00dfig von den Krankenh\u00e4usern in der jeweiligen Stadt besetzt, das hei\u00dft, dass \u00c4rzte, die im Krankenhaus arbeiten, w\u00e4hrend der Krankenhausarbeit einen Funkrufempf\u00e4nger mit sich tragen und bei einem Notfall direkt am Krankenhaus in den Notarztwagen steigen. Nachts und am Wochenende arbeiten \u00c4rzte freiberuflich als Notarzt. Eine Zentralklinik in Georgsheil kann f\u00fcr die 3 St\u00e4dte keinen Notarztwagen besetzen, allein schon, weil die Entfernung zu gro\u00df ist. Deshalb wird man mehr freiberufliche \u00c4rzte f\u00fcr die Dienste akquirieren m\u00fcssen und das in Zeiten des zunehmenden \u00c4rztemangels.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\">Eine <strong>Notfallversorgung wird also voraussichtlich \u2013 bis auf den Rettungsdienst und den Fahrdienst des haus\u00e4rztlichen Bereitschaftsdienstes \u2013 nur noch in Georgsheil stattfinden<\/strong>.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Im Landkreis Schaumburg (dort hat der Sprecher der Zentralklinikum-Tr\u00e4gergesellschaft vorher gewirkt) ist das jetzt schon so. Auf meine Nachfragen im Kreistag Aurich konnte bisher weder von den verantwortlichen Parteien, noch von der Kreisverwaltung oder der Gesch\u00e4ftsf\u00fchrung der Tr\u00e4gergesellschaft ein Konzept f\u00fcr eine Notfallversorgung vorgelegt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><u>Krisensituationen<\/u><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In Krisensituationen ist es wichtig, mehrere Krankenh\u00e4user und diese m\u00f6glichst nahe an den Bev\u00f6lkerungsschwerpunkten zu haben. Es ist dann falsch, sich auf nur eine Klinik auf der gr\u00fcnen Wiese zu konzentrieren. Mit einer Zentralklinik in Georgsheil sind<\/p>\n<ol style=\"text-align: justify;\">\n<li>die Wege zum Krankenhaus f\u00fcr die meisten Menschen weiter als zuvor und<\/li>\n<li>es gibt in der N\u00e4he keine anderen Krankenh\u00e4user, die einspringen k\u00f6nnen, wenn es zu einem Ausfall eines Krankenhauses kommt.<\/li>\n<\/ol>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr solche Krisensituationen hier einige Beispiele, von denen viele in den letzten 100 Jahren hier vorgekommen sind. Bitte spielen Sie selbst durch, ob eine Zentralklinik oder 3 Krankenh\u00e4user in den St\u00e4dten Norden, Emden und Aurich in einer dieser Krisen sinnvoller sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Krisen-Beispiele:<\/p>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Pandemie, wie jetzt mit dem Corona-Virus. (Das Humboldt-Klinikum in Berlin-Reinickendorf\u00a0 ist beispielsweise am 23.01. bis 03.02.21 (= ca. 2 Wochen) f\u00fcr Neuaufnahmen geschlossen und unter Quarant\u00e4ne gestellt worden, weil eine relevante Anzahl Patienten und Mitarbeiter mit einer Mutation des Corona-Virus infiziert war. Eine \u00e4hnliche Situation hat es auch in mehreren anderen Krankenh\u00e4usern gegeben, z.B. im Krankenhaus in Wittmund)<\/li>\n<\/ul>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Problemkeim z.B. auf der Intensivstation (z.B. MRSA), der dazu f\u00fchrt, dass die Intensivstation geschlossen werden muss.<\/li>\n<\/ul>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Brand im Krankenhaus (wie im Juli 2020 in einem Zimmer der Psychiatrie im Krankenhaus Norden. Dort hatte es am 6.7.20 in nur 1 Zimmer gebrannt, erst am 1.8. konnten 16 der 25 Betten auf der Station wieder belegt werden).<\/li>\n<\/ul>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Computerausfall (wie im September 2020 in der Uniklinik D\u00fcsseldorf nach einem Hacker-Angriff).<\/li>\n<\/ul>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Konkurs des Betreibers (insbesondere falls es zu einer Privatisierung kommt; solche Probleme gab es z.B. in Peine).<\/li>\n<\/ul>\n<ul style=\"text-align: justify;\">\n<li>Schneekatastrophe (wie im Winter 1978\/79 hier in Norddeutschland).<\/li>\n<li>Energiekrise \/ \u00d6lkrise wie in den 1970-er Jahren.<\/li>\n<li>Kriegshandlungen.<\/li>\n<li>soziale Verwerfungen, die z.B. dazu f\u00fchren, dass Autofahren nicht mehr so selbstverst\u00e4ndlich ist wie heute.<\/li>\n<\/ul>\n<p style=\"text-align: justify;\"><strong><u>Facharztpraxen in den St\u00e4dten Aurich, Norden und Emden<\/u><\/strong><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es gibt derzeit bereits erhebliche Probleme, freiwerdende Sitze von Fach- und Haus\u00e4rzten zu besetzen. Beispielsweise ist in den letzten Jahren die Menge der HNO (Hals-Nasen-Ohren) -\u00c4rzte in Norden von 2 auf 1 und in Emden von 4 auf 2 geschrumpft. Die Kassensitze sind frei, k\u00f6nnen jedoch nicht besetzt werden. Es gibt insbesondere 4 Facharzt-Disziplinen, die h\u00e4ufig Belegbetten in Krankenh\u00e4usern haben oder dort ambulant operieren. Diese Fachrichtungen sind: Urologie, Orthop\u00e4die, HNO und Augenheilkunde.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">F\u00fcr diese Fach\u00e4rzte ist es sinnvoll, die Praxis in Krankenhaus-N\u00e4he zu haben, weil dann die Wege auch bei Notf\u00e4llen, wie z.B. Nachblutungen, k\u00fcrzer sind.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Falls eine Zentralklinik in Georgsheil die Krankenh\u00e4user in Aurich, Emden und Norden ersetzt, wird es voraussichtlich fast unm\u00f6glich werden, \u00c4rzte dieser Fachrichtung zu einer Niederlassung in Aurich, Emden oder Norden zu bewegen. Eher lassen sie sich in Georgsheil nieder, wahrscheinlich gehen sie jedoch in St\u00e4dte wie Wittmund, Westerstede oder Leer, in denen Stadt und Krankenhaus beieinander liegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seit 2013 betreibt der Landkreis Aurich das Vorhaben, zusammen mit der Stadt Emden eine Zentralklinik in Georgsheil zu errichten und daf\u00fcr die Krankenh\u00e4user in Norden, Aurich und Emden zu schlie\u00dfen. 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